Die Sonne beschreibt einen Tagesbogen, der von östlicher Richtung sein höchsten Punkt im Süden findet und dann im Westen untergeht.
Im Osten geht die Sonne auf,
nach Süden nimmt sie ihren Lauf,
im Westen wird sie untergehn,
im Norden ist sie nie zu sehn.
Dieses kleine Gedicht lernen wir in unserer Kindheit als Eselsbrücke für den Sonnenlauf. Doch stimmt diese Beschreibung auch? Wo geht die Sonne auf, wo unter? Deutschland befindet auf der Nordhalbkugel der Erde. Die Sonne geht Mitte März ungefähr im Osten auf. Im Sommer geht die Sonne eher im Nordosten auf, im Winter südöstlich. Im Sommer vollzieht die Sonne einen höheren und längeren Bogen als im Winter, d. h. im Sommer ist der Tag länger und wir sehen kürzere Schatten. Und wo geht die Sonne unter? Mitte März geht die Sonne ungefähr im Westen unter. Im Sommer geht die Sonne eher im Südwesten unter, im Winter nordwestlich. Für die Südhalbkugel muss die Eselsbrücke dahingehend angepasst werden, dass die Sonne mittags im Norden steht und im Süden nie zu sehen ist.
Die Sonne steht zwischen 12 und 13 Uhr (Normalzeit) bzw. 13 und 14 Uhr (Sommerzeit) am höchsten, auf der Nordhalbkugel der Erde immer im Süden - auf der Südhalbkugel im Norden.
Du hast keinen Kompass zur Hand? Aber eine Uhr mit einem analogen Ziffernblatt? Dann richte die Stundenzeiger auf die Sonne aus. Der mittlere Winkel (die Winkelhalbierende) zwischen dem Stundenzeiger und 12 Uhr (Normalzeit) bzw. 1 Uhr (Sommerzeit) zeigt ungefähr nach Süden.
Nachts kann man sich auf der Nordhalbkugel (nördlich des Äquators) am Polarstern orientieren, der mit einer kleinen Abweichung von etwa 0,7 Grad im Norden steht. Du findest den Polarstern über der hinteren Achse des großen Wagens. Tagsüber kannst du nach Anhaltspunkten für die Himmelsrichtung suchen, z.B. Wetterhähne an Gebäuden, Sonnenkollektoren und große Fenster an Gebäuden, die in der Regel nach Süden ausgerichtet sind. Auch in der Natur gibt es Hinweise. Die Wetterseite liegt im Nordwesten, Bäume sind auf der Wetterseite bemoost. Einzelne Bäume sind oft nach Südosten geneigt, da der Nordwestwind gegen sie drückt. Bei einem Baumstumpf sind die Jahresringe nach Nordwesten hin dichter. Technisch kann uns das Smartphone helfen - viele Geräte haben einen Kompass oder eine Navigationsapp integriert.